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FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

Go-live-Bereitschaft im Facility Management vor dem Regelbetrieb

Go-live-Bereitschaft: Betriebsaufnahme nach klaren Kriterien freigeben

Kurz vor dem Betriebsstart muss aus zahlreichen einzelnen Start-up-Aktivitäten eine eindeutige Entscheidung entstehen: Ist die neue Facility-Management-Organisation tatsächlich in der Lage, den vereinbarten Betrieb sicher und kontrolliert zu übernehmen?

Die Go-live-Bereitschaft ist deshalb mehr als eine letzte Statusabfrage. Sie bildet einen formalen Quality Gate zwischen Implementierung und Regelbetrieb. Dabei muss nicht jeder administrative Restpunkt vollständig abgeschlossen sein. Sicherheitsrelevante, betriebsnotwendige und organisatorisch kritische Voraussetzungen müssen jedoch erfüllt oder durch eine ausdrücklich freigegebene Übergangslösung beherrscht sein.

Go-live-Bereitschaft im FM: Betriebsfähigkeit prüfen und Freigabe sicher vorbereiten

Go-live-Kriterien nach Kritikalität strukturieren

Entscheidend ist, dass ein gelber Status immer mit Verantwortlichem, Ersatzmaßnahme, Risiko, Frist und Zielzustand verbunden wird. „Gelb“ darf nicht lediglich bedeuten, dass ein Thema noch nicht fertig ist.

Für die Freigabe empfiehlt sich eine klare Ampellogik:

Status

Bedeutung

Konsequenz

Grün

Voraussetzung vollständig erfüllt

Go-live-fähig

Gelb

Abweichung vorhanden, Betrieb durch Interimslösung beherrscht

Go-live unter Auflage möglich

Rot

Kritische Voraussetzung nicht erfüllt

Go-live grundsätzlich nicht freigabefähig

Welche Bereiche müssen geprüft werden? Die Readiness-Prüfung sollte mindestens folgende Handlungsfelder umfassen:

  • Betriebs- und Objektorganisation,

  • Besetzung kritischer Schlüsselrollen,

  • Vertretungs- und Rufbereitschaftsorganisation,

  • Service Desk und Störungsannahme,

  • Zutritte, Schlüssel und technische Berechtigungen,

  • CAFM-, IT- und Kommunikationssysteme,

  • kritische Anlagen- und Objektdaten,

  • Wartungs- und Prüfplanung,

  • Betreiberpflichten und Compliance,

  • Arbeitsschutz und Notfallorganisation,

  • Nachunternehmer und Spezialdienstleister,

  • Arbeitsmittel und Betriebsmittel,

  • Nutzerkommunikation,

  • SLA-, KPI- und Reportingfähigkeit.

Muss-Kriterien ausdrücklich definieren

Bestimmte Voraussetzungen sollten nicht gegen weniger kritische positive Ergebnisse verrechnet werden können.

Ein positives Gesamtergebnis darf daher nicht allein aus einer durchschnittlichen Punktzahl entstehen. Ein einzelner nicht beherrschter kritischer Punkt kann eine Go-live-Freigabe ausschließen.

Solche Muss-Kriterien können beispielsweise sein:

  • funktionsfähige Alarmierungs- und Notfallwege,

  • Organisation fälliger sicherheitsrelevanter Prüfungen,

  • erreichbare verantwortliche Personen,

  • einsatzfähiger Service Desk für kritische Meldungen,

  • funktionierende Rufbereitschaft, soweit erforderlich,

  • erforderliche Zutritte zu kritischen Technikbereichen,

  • arbeitsfähige Schlüssel-Nachunternehmer,

  • dokumentierte Eskalationswege.

Nachweise statt Selbstauskunft verlangen

Betriebsbereitschaft sollte möglichst durch konkrete Nachweise bestätigt werden. Beispiele sind:

Rufbereitschaft getestet – CAFM-Ticket erfolgreich durchgespielt – Zutritt zum Technikraum praktisch geprüft – Eskalationskette getestet – Nachunternehmer erreichbar – Prüfkalender aktiviert – Nutzerinformation versandt.

Damit verändert sich die Fragestellung von „Ist eingerichtet?“ zu „Funktioniert unter realistischen Bedingungen?“

Restpunkte bewusst übernehmen

Ein komplexer FM-Start-up wird zum Go-live häufig noch offene Punkte enthalten.

Für jeden übernommenen Restpunkt ist festzuhalten, wer ihn bis wann erledigt und wie der Betrieb bis dahin abgesichert wird.

Diese müssen jedoch kategorisiert werden:

  • vor Go-live zwingend zu schließen,

  • mit Interimslösung vorübergehend akzeptierbar,

  • regulärer Start-up-Restpunkt,

  • Datenbereinigung,

  • späteres Optimierungsthema.

Go-live-Entscheidung formal dokumentieren

Am Ende des Readiness Reviews sollte eine eindeutige Entscheidung stehen:

Go – Go mit Auflagen – No-Go.

Die Entscheidung sollte gemeinsam von den hierfür autorisierten Vertretern von Auftraggeber und Auftragnehmer auf Basis eines dokumentierten Readiness-Status getroffen werden. Sie ersetzt keine vertragliche Abnahme, sondern bestätigt die operative Betriebsbereitschaft zum vorgesehenen Zeitpunkt.

Eine belastbare Go-live-Systematik folgt damit der Logik:

Kriterien festlegen → Nachweise prüfen → Muss-Kriterien bewerten → Restpunkte klassifizieren → Risiken und Interimslösungen beurteilen → Go-/No-Go-Entscheidung treffen → Auflagen in Hypercare überführen.

So wird der Betriebsstart nicht allein durch den Kalender bestimmt, sondern durch einen nachweisbar beherrschten Betriebszustand.